Softshelljacke mit Reflektorgarn nähen – Teil 1

Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana - vielen Dank, liebe Jana.

Eigentlich war ich mit dem Sommer noch gar nicht fertig, da stand auch schon sehr abrupt der Herbst vor der Tür. Da mein Sohn unaufhaltsam wächst, wurde damit eine neue Softshelljacke fällig - natürlich in einem „dunklen Schwarz“ -  wie er mehrfach betont hat.
Manu hatte mir für dieses Projekt von GUNOLD das Reflektorgarn SULKY CRY zukommen lassen, das natürlich zum Einsatz gekommen ist. Das Besondere daran: Es reflektiert auftreffendes Licht und setzt so leuchtende Akzente auf der dunklen Jacke. Inzwischen gibt es mit SULKY REFLECTIVE 30 einen weiterentwickelten Nachfolger, der laut GUNOLD eine verbesserte Stickbarkeit und einen ruhigeren Maschinenlauf bietet. Bei meiner Jacke habe ich noch den Vorgänger verwendet – meine Erfahrungen und Maschineneinstellungen im folgenden Artikel beziehen sich deshalb auf SULKY CRY.

Doch nun zurück zur Softshelljacke. Ich habe mich für den Schnitt „Jacky“ von pattydoo entschieden. Ursprünglich wollte ich die Jacke wunschgemäß schlicht Schwarz nähen, doch beim Stöbern in meinem gehorteten Zubehör bin ich über neongelbe Reflektorpaspel gestolpert und so kam eins zum anderen *lach* Natürlich in Absprache mit meinem Sohn, denn in erster Linie soll ihm die Jacke gefallen!

Abknöpfbare Kapuze mit Reflektorpaspeln nähen

Zunächst habe ich alles zugeschnitten.

Wie gut, dass ich „Jäger und Sammler“ bin und neben der erwähnten Reflektorpaspel auch noch neongelben Softshell (und einen neongelben Reißverschluss in passender Länge) parat hatte.

Um bei dem einen oder anderen Teil nicht ins Straucheln zu geraten, habe ich das Papier-Schnittmusterteil zur besseren Zuordnung darauf liegen lassen.

Zugeschnittene Schnittteile aus schwarzem und neongelbem Softshell mit aufgelegten Papierschnittmustern.

Was ich bei diesem Schnitt besonders mag, ist die abknöpfbare Kapuze, die auch als Erstes fertiggestellt wird.

Dafür werden zunächst die Positionen für die Druckknöpfe auf die Schnittteile übertragen. Ich verwende dafür eine Ahle und pikse damit durch das Schnittmuster in den Softshell. Zur besseren Sichtbarkeit - gerade bei Schwarz! - gehe ich zudem mit einem Kreidestift über das Loch.

Mit einer Ahle wird die Druckknopfposition durch das Papierschnittmuster auf den schwarzen Softshell übertragen.

Reflektorpaspeln am Kapuzenmittelsteg einnähen

Die Kapuze verfügt über einen Mittelsteg und ist damit perfekt für Reflektorpaspel geeignet. Ich wohne wirklich sehr ländlich, hier gibt es weder Bürgersteige noch Straßenlaternen, weshalb mir eine gute Sichtbarkeit wichtig ist.

Ich stecke also zuerst die Paspel an den Mittelsteg. Da diese nur ca. 6 mm breit ist, die Nahtzugabe jedoch 10 mm beträgt, muss ich einen entsprechenden Abstand zur Stoffkante einhalten.

Die Breite der neongelben Reflektorpaspel wird mit einem Handmaß gemessen.
Ein Handmaß zeigt den Abstand der Reflektorpaspel zur Schnittkante des schwarzen Softshells.

Die Paspel stecke ich mit Klammern gut fest. Ich persönlich bin ein großer Freund von Klammern statt Nadeln; bei Softshell ist dies zudem besonders empfehlenswert, um den Stoff nicht mehr als nötig zu durchlöchern. Diesen und noch weitere hilfreiche Tipps rund ums Nähen von Softshell erfährst du übrigens im Kurs „Deine professionelle Softshelljacke“.

Als Nächstes nähe ich die Paspel mit Hilfe des Reißverschlussfußes und einer Nahtzugabe von 1 cm fest. Dabei verwende ich eine 80er Microtex-Nadel und eine Stichlänge von 3,5.

Die neongelbe Reflektorpaspel wird mit dem Reißverschlussfuß auf den schwarzen Softshell genäht.

Das Ganze wiederhole ich auf der gegenüberliegenden Seite. So schaut der Mittelsteg nun aus:

Schwarzer Kapuzenmittelsteg mit angenähten neongelben Reflektorpaspeln an beiden Längskanten.

Im nächsten Schritt stecke ich eine Kapuzenseite rechts-auf-rechts auf den Mittelsteg. Die Paspel liegt damit zwischen den beiden Stoffen.

Eine Kapuzenseite wird rechts auf rechts mit Stoffklammern am Mittelsteg mit Reflektorpaspel befestigt.
Detail der Kapuzennaht mit neongelber Reflektorpaspel zwischen den schwarzen Softshellteilen.

Nun wird das Ganze auf der vorherigen Naht zusammengenäht.

Auch das wird auf der gegenüberliegenden Seite wiederholt, sodass die Kapuze langsam Form annimmt.

Die Kapuzenteile aus schwarzem Softshell werden mit dem Reißverschlussfuß entlang der zuvor genähten Naht verbunden.
Zusammengenähte schwarze Softshellkapuze mit zwei neongelben Reflektorpaspeln entlang des Mittelstegs.

Damit die Kapuze auch von innen schön aussieht, versäubere ich die Nahtzugaben mit der Overlock. Softshell franst nicht aus, weshalb dies nicht zwingend erforderlich ist, jedoch optisch einen himmelweiten Unterschied macht! Da die Stofflagen bereits miteinander verbunden sind, genügt dabei die schmale 3-Faden-Overlocknaht. Ich nähe auf einer baby lock. Entsprechend stelle ich den Stichauswahlhebel auf B, die Stichlänge auf 3 und die Stichbreite auf 5 mm. Was es mit dem Stichauswahlhebel der baby locks auf sich hat, wird beispielsweise in diesem Kurs sehr gut erklärt. Hier geht es um alles, was baby lock spezifisch hat - vor allem auch um die Dinge, die man "eigentlich" bei baby lock nicht manuell beeinflussen kann - angeblich!

Die Nahtzugaben der schwarzen Softshellkapuze werden mit der Overlock versäubert.
Nahaufnahme der mit einer schmalen 3-Faden-Overlocknaht versäuberten Softshellkante.

Kapuzennähte mit Reflektorgarn absteppen

Anschließend lege ich die Nahtzugaben in Richtung Mittelsteg und steppe diese ab. Dabei kommt das eingangs erwähnte Reflektorgarn SULKY CRY als Legefaden im Deckstich meiner baby lock Primo zum Einsatz.

Zunächst habe ich einige Testnähte auf Softshellresten vom Zuschnitt gemacht, und daraufhin die Greiferspannung auf 2 erhöht.
An der Kapuze zeigte sich dann, wie wichtig es ist, bei einer Probenaht den tatsächlichen Materialaufbau zu berücksichtigen: Durch die zusätzliche Paspel ist die Naht deutlich dicker und fester als meine Stoffreste.
Da der Reflektorfaden dabei mehrfach riss, habe ich die Greiferspannung wieder auf 0 gesetzt und konnte die Kapuze anschließend problemlos absteppen.

Die Kapuzennaht wird neben der Reflektorpaspel mit Reflektorgarn im Deckstich abgesteppt.

Mit der lockereren Greiferspannung liegt der Reflektorfaden etwas unregelmäßiger im Deckstich. Insgesamt kann sich das Ergebnis jedoch sehen lassen! Für mein nächstes Projekt nehme ich auf jeden Fall mit: Bei den Testnähten auch Paspeln und sämtliche Stofflagen berücksichtigen – so lassen sich die passenden Einstellungen direkt am vollständigen Materialaufbau ausprobieren.

Wenn Du selbst reflektierende Akzente auf Deinem nächsten Nähprojekt setzen möchtest, findest Du bei GUNOLD inzwischen den weiterentwickelten Nachfolger SULKY REFLECTIVE 30.

Schwarzer Kapuzenmittelsteg mit zwei Reflektorpaspeln und daneben verlaufenden Deckstichnähten.
Detailaufnahme des silbergrauen Reflektorgarns im Deckstich neben der neongelben Reflektorpaspel.

Kapuzenbeleg annähen und Kanten absteppen

Im nächsten Schritt habe ich die beiden Kapuzenbelegteile zusammen- und an die Kapuze genäht. Zum besseren Wenden schneide ich die Nahtzugabe an den Ecken zurück und die Rundungen bis kurz vor der Naht ein. Zudem kürze ich die Nahtzugabe des Belegs um die Hälfte, wodurch das Ganze nicht so dick aufträgt.

Die Nahtzugabe an einer Ecke der Softshellkapuze wird mit einer Schere zurückgeschnitten.

Nun kann der Beleg nach innen gewendet und die Ecken schön ausgeformt werden. Anschließend wird die Kapuze einmal rundherum abgesteppt. Mit dem Schmalkantenfuß geht dies besonders gleichmäßig. Die Stichlänge habe ich auf 4,0 angepasst.

Die gewendete Kapuzenkante wird mit dem Schmalkantenfuß gleichmäßig abgesteppt.

Und damit ist die Kapuze nahezu fertig!

Seitlich zusammengelegte Softshellkapuze mit abgestepptem Beleg und neongelber Reflektorpaspel.

Druckknöpfe an der Softshellkapuze anbringen

Es fehlen noch die Druckknöpfe, um die Kapuze später am Kragen der Jacke befestigen zu können. Einen passenden Kurs mit allen Tipps und Tricks rund um dieses Thema findest du hier.

Ich verwende am liebsten meine Presse dafür. Für diese habe ich mir Adapter gekauft, mit denen ich die Aufsätze für die Prym-Zange verwenden und damit die den Druckknöpfen, Ösen & Co. beilegenden Werkzeuge auch mit der Presse verwenden kann. Auf dem folgenden Foto zeige ich dir, welcher Aufsatz zu welchem Teil des Druckknopfs gehört.

Vier Druckknopfteile mit den jeweils passenden Pressenaufsätzen vor der schwarzen Softshellkapuze

Für die Kapuze benötigen wir von den insgesamt vier Druckknopfteilen zunächst diese:

Druckknopfkappe und passendes Gegenstück liegen neben der vorbereiteten Presse und der Softshellkapuze.

Dafür stanze ich entsprechende Löcher durch beide Softshell-Lagen, platziere die Druckknopfteile  (unbedingt darauf achten, dass die glatte „Kappe“ außen an der Kapuze angebracht wird!) und befestige das Ganze mit Hilfe der Presse.

Ein schwarzer Druckknopf wird mit der Presse an der Softshellkapuze befestigt.
Innen- und Außenansicht der schwarzen Kapuzenkante mit angebrachten Druckknopfteilen.

Kragen mit Aufhänger nähen

Im nächsten Schritt bereite ich den Kragen vor, an dem die Kapuze später auch befestigt wird. Wie schon bei der Kapuze markiere ich daher zunächst anhand des Papierschnitts die Druckknopfpositionen auf dem Außenkragen. Da meiner Meinung nach bei einer Jacke ein Aufhänger niemals fehlen darf, steppe ich diesen innerhalb der Nahtzugabe am unteren Innenkragen fest. Ich verwende ein Stück Flachkordel, das ich an den offenen Enden mit dem Feuerzeug verschmolzen habe, damit sich nichts aufribbelt.

Eine neongelbe Flachkordel wird als Aufhänger innerhalb der Nahtzugabe am schwarzen Innenkragen festgenäht.

Nachdem ich den unteren und oberen Innenkragen zusammengenäht habe -  wobei ich beim unteren Innenkragen die eigentlich linke, flauschige Seite des Softshells nach außen genommen habe -  presse ich die Nahtzugaben auseinander.
Zugegebenermaßen musste ich erstmal recherchieren, wie das von mir seit Jahren verwendete Tool dafür heißt *lach* Es ist ein sogenannter „Finger Presser“ von Clover. Ein geniales kleines Helferlein!

Die Nahtzugaben am schwarz-neongelben Innenkragen werden mit einem Finger Presser auseinandergepresst.

Praktischerweise nenne ich sämtliche Farben der wunderbaren Smart Thread-Garne mein Eigen und hatte dadurch perfekt passendes neongelbes Garn zum Absteppen der Nahtzugaben parat. Der Monk in mir liebt’s!

Schwarz-neongelber Innenkragen mit farblich passendem Nähgarn, Schmalkantenfuß für Softshelljacke.

Dabei achte ich darauf, den Aufhänger nicht mit festzusteppen.

Beim Absteppen der Kragennaht der Softshelljacke wird der neongelbe Aufhänger zur Seite gehalten, damit er nicht mit festgenäht wird.

Anschließend können die Nahtzugaben noch gekürzt werden, um besonders flache Nähte zu bekommen. Dabei ist eine Applikationsschere besonders hilfreich, um nicht versehentlich in die untere Stofflage zu schneiden.

Die Nahtzugabe am Innenkragen wird mit einer Applikationsschere gekürzt, deren breiter Schenkel die untere Stofflage schützt.

Sind diese Vorarbeiten erledigt, werden der Außen- und Innenkragen rechts-auf-rechts zusammengenäht und abgesteppt. Nun werden am Außenkragen die Gegenstücke der Druckknöpfe befestigt.

Die Gegenstücke der Kapuzendruckknöpfe werden am schwarzen Außenkragen für das Einpressen positioniert.

Zu guter Letzt wird die untere Kante des Innenkragens versäubert. Statt die Overlock dafür zu verwenden, habe ich mich dazu entschieden, diese mit Falzgummi einzufassen. Dabei habe ich die eigentliche linke Seite nach außen genommen, da diese im Gegensatz zur glänzenden rechten Seite angenehm matt und auch etwas weicher ist.

Die untere Kante des neongelben Innenkragens wird mit schwarzem Falzgummi eingefasst.

Damit ist der Kragen fertig!

Fertig vorbereiteter Kragen der Softshelljacke mit Druckknöpfen am schwarzen Außenkragen, neongelbem Innenbereich und Aufhänger.

Du möchtest selbst eine Softshelljacke nähen und wünschst Dir dabei Schritt-für-Schritt-Begleitung? In dem Kurs „Deine professionelle Softshelljacke“ zeigt Dennis genau, worauf es bei der Verarbeitung ankommt.

Softshelljacke nähen lernen

Im zweiten Teil des Blogbeitrags zeige ich, wie die eigentliche Jacke genäht und fertiggestellt wird. Schau also unbedingt wieder vorbei!

Liebe Grüße
Deine Jana

Vorderansicht der fertigen schwarzen Softshelljacke „Jacky“ mit Kapuze, neongelbem Frontreißverschluss und zwei Reißverschlusstaschen.

2 Meinungen zu “Softshelljacke mit Reflektorgarn nähen – Teil 1”

  1. Jana sagt:

    So ein lieber Kommentar – ich freue mich sehr, Gerlinde! Es ist schön zu lesen, dass du den Beitrag informativ findest und dir die Jacke gefällt. Mein Sohn liebt sie auch sehr 🙂

    Ganz lieben Dank!
    Jana

  2. Gerlind sagt:

    Wow, wieder ein sehr guter und gelungener Blogbeitrag liebe Jana. Sehr schön, wie du die einzelnen Schritte beschreibst und wirklich superschöne akkurate Nähte. Du hast ein erstklassiges Ergebnis genäht und die Jacke sieht richtig spitze aus, besonders die Reflektorpaspel finde ich sehr gelungen!

Schreibe einen Kommentar

Der Courleys Blog – Nähen mit Wissen & Leidenschaft

Unser Blog ist Dein kreativer Begleiter, wenn Du noch tiefer in die Themen rund ums Nähen eintauchen möchtest. Wir teilen unser Wissen aus über 20 Jahren Näherfahrung und verbinden es mit den Fragen und Ideen aus unserer Community.

Vielfältige Themen für jeden Nähmoment 🧵

Wir zeigen Dir in unserem Blog zum Beispiel, wie Du einen Rollsaum perfekt umsetzt, warum der Fadenlauf so entscheidend für Deine Projekte ist und wie Du durch das Kombinieren von Farben tolle Effekte erzielst. Du erhältst Tipps, wie Du eine Bluse auf der Bernina L850 nähen kannst, bekommst Nähzimmer-Inspirationen und blickst regelmäßig hinter die Kulissen von Courleys - etwa, wenn wir zeigen, wie ein Courleys-Nähkurs entsteht🎬.

Und das ist längst nicht alles – regelmäßig kommen neue spannende Themen rund ums Nähen hinzu 💕.

Für Anfänger & Fortgeschrittene

Unabhängig davon, ob Du erst mit dem Nähen startest oder schon länger dabei bist:

Nähanfänger finden leicht verständliche Nähgrundlagen und Schritt-für-Schritt-Erklärungen.

Fortgeschrittene entdecken detaillierte Overlock- & Cover-Tipps, lernen Covernähte & Rollsäume mit Verstärkung zu nähen, und erfahren Maschinentricks für Modelle wie die Bernina L850 oder Brother CV 3550.

Ein Nähblog, der lebt 💕

Der Courleys Blog lebt durch Dich und unsere Community! Hast Du ein Thema, das wir unbedingt aufnehmen sollten? Dann schreib uns gern an info@courleys.de – wir freuen uns über Deine Ideen. Denn unser Ziel ist es, Dir nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Dich dauerhaft zu inspirieren und Deine Nähfreude zu begleiten 🌟.